Wie eine Wärmepumpe funktioniert
Im Kern arbeitet jede Wärmepumpe mit einem Kältekreis aus vier Komponenten: Der Verdampfer nimmt Umweltwärme auf und lässt das Kältemittel verdampfen. Der Verdichter erhöht mit Strom den Druck und damit die Temperatur. Der Verflüssiger gibt die Nutzwärme an das Heizwasser ab, das Kältemittel wird wieder flüssig. Das Expansionsventil senkt den Druck, und der Kreis beginnt von vorn. Moderne Geräte nutzen zunehmend das natürliche Kältemittel Propan (R290), das hohe Vorlauftemperaturen ermöglicht und einen sehr geringen Treibhauseffekt hat.
Das Effizienzprinzip laut Umweltbundesamt: Bei einer Jahresarbeitszahl von 3 entstehen aus einer Kilowattstunde Strom und zwei Kilowattstunden kostenloser Umweltwärme drei Kilowattstunden Heizwärme. Rund zwei Drittel der Heizenergie kommen also gratis aus der Umwelt.
Luft, Erde oder Wasser als Wärmequelle
| Typ | Quelle | reale JAZ | Anschaffung inkl. Einbau |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | Außenluft | ca. 2,5 - 3,8 | 28.000 - 38.000 € |
| Sole-Wasser | Erdsonde/Kollektor | ca. 3,3 - 4,7 | 35.000 - 50.000 € |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | ca. 4 - 5 | meist über 40.000 € |
Wichtiger Hinweis zu den Preisen
Alle genannten Preise sind Richtwerte und dienen ausschließlich Ihrer ersten Orientierung. Jedes Projekt wird individuell geplant und umgesetzt, daher können die tatsächlichen Kosten stark variieren. Gute, saubere Arbeit und hochwertige Qualität spiegeln sich naturgemäß auch im Preis wider. Einen verbindlichen Preis nennen wir Ihnen erst nach einem Vor-Ort-Termin.
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die einfachste, günstigste und häufigste Variante; ihre Effizienz schwankt mit der Außentemperatur. Sole-Wasser-Anlagen (Erdwärme) liefern über Bohrung oder Flächenkollektor eine konstantere, höhere Quellentemperatur und damit bessere Jahresarbeitszahlen, sind aber teurer und genehmigungspflichtig. Die Bohrung allein kostet etwa 8.000 bis 15.000 Euro. Wasser-Wasser-Anlagen nutzen Grundwasser und sind am effizientesten, aber am aufwendigsten in der Genehmigung.
Die Jahresarbeitszahl als Schlüsselkennzahl
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist die abgegebene Jahreswärme geteilt durch den eingesetzten Jahresstrom - ein Praxiswert über das ganze Jahr. Der COP ist dagegen nur ein Laborwert bei einem Betriebspunkt, der SCOP der saisonale Normwert. Als wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll gilt eine JAZ ab etwa 3,0, wünschenswert sind 3,5 bis 4,0 und mehr. Faustregel: Pro 10 Grad niedrigerer Vorlauftemperatur steigt die JAZ um rund 0,5 Punkte.
Vorlauftemperatur und Heizflächen
Die wichtigste Eignungsregel der Verbraucherzentrale lautet: Die Vorlauftemperatur sollte möglichst ganzjährig unter 55 Grad bleiben. Eine Fußboden- oder Flächenheizung ist mit etwa 30 bis 40 Grad ideal. Klassische Heizkörper im Altbau brauchen oft 60 bis 70 Grad, was ungünstig ist. Ein günstiger Mittelweg sind Niedertemperatur- oder Wärmepumpenheizkörper, die mit rund 40 bis 50 Grad arbeiten.
Der 55-Grad-Test
So prüfen Sie die Eignung selbst: Senken Sie an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur Ihrer Heizung auf 50 bis 55 Grad und drehen Sie alle Thermostate voll auf. Bleibt es in allen Räumen warm, ist Ihr Haus für eine Wärmepumpe geeignet. Wird es irgendwo kalt, müssen dort einzelne Heizkörper gegen größere getauscht werden.
Funktioniert die Wärmepumpe im Altbau?
Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die nötige Vorlauftemperatur und die Heizlast. Ein unsanierter Altbau mit einem Wärmebedarf über 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr braucht oft 60 bis 70 Grad Vorlauf bei Frost - die JAZ liegt dann nur bei 2,5 bis 3,0. Die wirksamsten Hebel sind Dämmung (oberste Geschossdecke, Kellerdecke, Fassade), der Tausch einzelner Heizkörper und neue Fenster. Schon eine Teilsanierung senkt die Vorlauftemperatur deutlich. Vor dem Einbau ist eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 Pflicht - eine zu groß dimensionierte Anlage taktet und verliert 10 bis 20 Prozent Effizienz.
Stromkosten je nach Sanierungsstand
Der Stromverbrauch hängt stark vom Gebäudezustand ab. Der Rechenweg ist einfach: Strom = Wärmebedarf geteilt durch JAZ, Kosten = Strom mal Strompreis. Als Kalkulationswert dient ein Wärmepumpentarif von 28 Cent pro Kilowattstunde (Stand 2026, Annahme).
| Szenario | Wärmebedarf | JAZ | Strom | Kosten/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Saniert, Fußbodenheizung | 12.000 kWh | 4,0 | 3.000 kWh | ca. 840 € |
| Saniert, Heizkörper | 18.000 kWh | 3,8 | 4.737 kWh | ca. 1.326 € |
| Teilsanierter Altbau | 18.000 kWh | 2,8 | 6.429 kWh | ca. 1.800 € |
Das Beispiel zeigt: Ein einziger Punkt Unterschied bei der Jahresarbeitszahl macht rund 470 Euro pro Jahr aus. Insgesamt liegen die Heiz-Stromkosten im Einfamilienhaus 2026 meist zwischen 750 und 1.600 Euro.
Hydraulischer Abgleich, Lärm und Lebensdauer
- Hydraulischer Abgleich: Er sorgt dafür, dass jeder Raum die richtige Wassermenge bekommt, senkt die Vorlauftemperatur und ist Voraussetzung für die staatliche Förderung. Bei Gebäuden ab sechs Wohneinheiten ist er seit Oktober 2024 ohnehin Pflicht.
- Lärm: Moderne Außengeräte halten die Grenzwerte der TA Lärm bei richtigem Standort gut ein; geförderte Geräte müssen seit 2026 sogar 10 Dezibel unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen.
- Lebensdauer: typisch 15 bis 20 Jahre, oft länger. Der größte Lebensdauer-Killer ist häufiges Takten - dagegen helfen richtige Dimensionierung, ein Pufferspeicher und Inverter-Technik.
Förderung nicht vergessen
Mit bis zu 70 Prozent Zuschuss sinkt der Eigenanteil deutlich. Wie sich Grundförderung, Geschwindigkeits-, Einkommens- und Effizienzbonus zusammensetzen, lesen Sie im Detail in unserem Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung 2026.
Häufige Fragen
Das fragen Kundinnen und Kunden oft
Kurz zusammengefasst
- Wärmepumpe nutzt Umweltwärme - bei JAZ 3 kommen zwei Drittel der Heizenergie gratis aus der Umwelt.
- Eignung entscheidet sich an der Vorlauftemperatur (möglichst unter 55 °C), nicht am Baujahr.
- Luft-Wasser ca. 28.000 - 38.000 €, Sole-Wasser 35.000 - 50.000 € inkl. Einbau.
- Heiz-Stromkosten im Einfamilienhaus meist 750 - 1.600 € pro Jahr - ein JAZ-Punkt macht rund 470 € aus.
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und hydraulischer Abgleich sind Pflicht-Vorarbeiten.
Passende Leistung
Wärmepumpen von KTS Klima

Mario Simeunovic
Kälteanlagenbauermeister & Inhaber
Mario Simeunovic ist Meister im Kälteanlagenbauer-Handwerk und Inhaber von KTS Klima in Neulußheim. Seit Jahren plant und installiert er Klimaanlagen, Wärmepumpen und Kältetechnik in der Metropolregion Rhein-Neckar. In diesem Ratgeber teilt er sein Praxiswissen aus dem Betrieb - ehrlich, verständlich und ohne Verkaufsmasche.




